Highlights aus der Podiumsdiskussion am „ SAAM “-Tag 2025
Als sich der Saal für die zweite Podiumsdiskussion des „ SAAM “-Tages 2025 füllte, herrschte eine ganz besondere Energie – jene Art von Energie, die entsteht, wenn Menschen, die normalerweise nicht am selben Tisch sitzen, sich dazu entschließen, dies doch zu tun.
Auf der Bühne standen Vertreter des öffentlichen Verkehrs, der Regierung und der Technologie, die alle ein gemeinsames Ziel verfolgten: zu verstehen, wie die Schweiz die Zukunft der autonomen Mobilität gemeinsam gestalten kann.
Die von Eric Silva moderierte Diskussion brachte Marc Châtelain (TPG Genf), Stefanie Berliner (Holo), Pascal Kern (Kanton Zürich) und Amin Amini ( Loxo) unter der Leitung von Oliver Nahon (SAAM) zusammen.
Den Rahmen setzen: Warum Kollaboration wichtig ist
Zu Beginn der Veranstaltung erinnerte Oliver Nahon alle daran, dass autonome Mobilität „Behörden, Verkehrsteilnehmer, Betreiber, Zertifizierungsstellen – einfach alle“ benötige.
Diese einfache Aussage gab den Ton an: Zusammenarbeit ist bei SAAM nicht nur ein Wert, sondern eine Notwendigkeit.
Um diese Zusammenarbeit konkret zu gestalten, hat „ SAAM “ kürzlich eine Arbeitsgruppe zum Genehmigungsverfahren für automatisierte Fahrzeuge ins Leben gerufen, die Mitgliedern und Partnern dabei hilft, sich im Genehmigungsumfeld zurechtzufinden.
Wie Moderator Eric Silva erklärte, besteht das Ziel darin, alle zu unterstützen, die autonome Fahrzeuge auf Schweizer Straßen einsetzen möchten – nicht nur heute im Rahmen von Pilotprojekten, sondern bald auch für typgenehmigte Fahrzeuge.
Lernen Sie unsere Diskussionsteilnehmer kennen

Marc Châtelain
Geschäftsführender Direktor, TPG

Stefanie Berliner
Leiterin DACH, Holo

Pascal Kern
Leiter Mobilitätsentwicklung und -management, Kanton Zürich

Amin Amini
Mitbegründer & CEO, LOXO

Eric Silva
COO & stellvertretender CEO, CertX

Oliver Nahon
Leiter des operativen Geschäfts, SAAM
Der Weg in die Zukunft - Herausforderungen am Horizont
Nachdem die neue Bundesverordnung über automatisiertes Fahren in Kraft getreten ist, erkundete das Gremium, wie es weitergeht.
Für Marc Châtelain von TPG Genf ist die Verlagerung der Verantwortung von der Bundesebene auf die Kantone sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. Sie ermöglicht es motivierten Regionen wie Zürich oder Genf, schneller zu handeln, ohne monatelang auf die Genehmigung durch übergeordnete Behörden zu warten. Diese Agilität hat jedoch ihren Preis: Die Kantone müssen nun das technische Know-how aufbauen, das für die Verwaltung dieser neuen Genehmigungen erforderlich ist.
Auf der Seite der Betreiber betonte Stefanie Berliner von Holo, dass die Vorschriften flexibel genug sein müssen, um sich mit der Technologie weiterzuentwickeln. "Nächstes Jahr wird es keine Level-4-Systeme von der Stange geben", sagte sie und betonte, dass jedes Projekt an die lokale Infrastruktur und die Sicherheitsanforderungen angepasst werden muss.
Als Vertreter des öffentlichen Sektors in Zürich nannte Pascal Kern drei zentrale Herausforderungen: die Klärung der Frage, wer die einzelnen Prozesse leitet, die Überprüfung, ob die Betreiber tatsächlich die Sicherheitsstandards einhalten, und den Umgang mit den politischen Erwartungen zwischen städtischen und ländlichen Gebieten.
Schließlich brachte Amin Amini von Loxo die Perspektive eines Technologieanbieters ein. Er warnte davor, dass zu viele sich überschneidende Genehmigungsverfahren Innovationen bremsen könnten, insbesondere wenn sich europäische und schweizerische Anforderungen überschneiden. Für ihn gilt: „Anforderungen zu stellen ist einfach – entscheidend ist vielmehr, dass sie über alle Systeme hinweg nachvollziehbar und konsistent sind.“
Learning by Doing: Was uns frühere Piloten gelehrt haben
Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass die Stärke der Schweiz in ihrem praxisorientierten Ansatz liegt.
Bei TPG berichtete Marc Châtelain von früheren Projekten wie AVENUE und ULTIMO, die gezeigt haben, dass autonome Fahrzeuge am besten in Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte funktionieren, in denen herkömmliche Busdienste Schwierigkeiten haben. Ihr Experiment inspirierte sogar einen neuen On-Demand-Service, TPG Flex, der jetzt in Genf schnell expandiert.
Für Stefanie Berliner ist die wichtigste Erkenntnis aus den europäischen Pilotprojekten, dass Technologie allein noch keinen Erfolg garantiert. Was wirklich zählt, ist die frühzeitige Zusammenarbeit zwischen Betreibern, Behörden und Technologieanbietern, um sicherzustellen, dass die Projekte den tatsächlichen betrieblichen Anforderungen entsprechen.
Pascal Kern fügte hinzu, dass eine langfristige Motivation unerlässlich ist. Die Durchführung eines Pilotprojekts bedeutet, dass unzählige rechtliche und technische Hürden überwunden werden müssen. Daher ist es wichtig, gleichgesinnte Partner (und echte Begeisterung) zu haben, um die Dynamik aufrechtzuerhalten.
Unterdessen, Amin
Amini ging auf zwei überraschende Erkenntnisse aus den Erfahrungen mit „ Loxo“ ein. Erstens sei die gesellschaftliche Akzeptanz weitaus höher als erwartet. „Die Menschen sind neugierig und positiv eingestellt“, erklärte er. „Sie kommen, um sich die Fahrzeuge anzusehen, stellen Fragen, kommen aber selten, um sich zu beschweren.“ Zweitens hob er die starke institutionelle Unterstützung in der Schweiz hervor, wo die Zusammenarbeit zwischen Stadt-, Kantons- und Bundesbehörden bemerkenswert reibungslos verlaufe.
Für ihn geht es beim nächsten Schritt nicht darum, die Technologie zu perfektionieren, sondern sie für die Menschen, einschließlich der Fahrer, Disponenten und Logistikmitarbeiter, die sie täglich nutzen werden, nützlich und angenehm zu machen.
Zum Abschluss der Diskussion brachte es Oliver Nahon auf den Punkt: Lernen bedeutet manchmal auch Scheitern, und das ist in Ordnung. "Wenn wir Projekte scheitern, lernen wir daraus und kommen gestärkt zurück".
Zusammenarbeit in der Praxis: Die Rolle von SAAM
Das Gespräch kam ganz natürlich auf die Frage, wie Zusammenarbeit konkret abläuft und welche Rolle „ SAAM “ dabei spielt.
Für Marc Châtelain liegt die Antwort auf der Hand: Der öffentliche Verkehr ist von Natur aus auf Zusammenarbeit angelegt. "Unser Ziel ist es, den bestmöglichen Service zu bieten", sagt er, "und dieses Ziel zwingt uns, Hand in Hand mit anderen zu arbeiten."
Stefanie Berliner fügte hinzu, dass einige Diskussionen zwar zu Beginn geschlossen bleiben müssen, dass aber Offenheit der Standard sein sollte, sobald die Grundlagen geschaffen sind. "Der wirkliche Fortschritt entsteht, wenn wir anfangen, Wissen zu teilen", sagte sie.
Aus Sicht von Zurich sieht Pascal Kern „ SAAM “ als entscheidende Brücke zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor: Dabei werden die Erkenntnisse aus jedem Pilotprojekt gesammelt und im gesamten Ökosystem weitergegeben, damit „keine Erfahrungen verloren gehen“.
Amin Amini pflichtete ihm bei und wies darauf hin, dass die Wirkung von „ SAAM“ noch weiter zunehmen könnte, wenn mehr Ressourcen zur Verfügung stünden, um den Mitgliedern dabei zu helfen, sich zu vernetzen und ihre Bemühungen aufeinander abzustimmen. „Wir sind noch weit davon entfernt, die Grenzen der Zusammenarbeit erreicht zu haben“, sagte er mit einem Lächeln.
Abschließend betonte Oliver Nahon, dass die Zusammenarbeit von Transparenz und Klarheit lebt. "Wenn jeder seine Rolle kennt und weiß, welchen Wert er einbringt, wird die Zusammenarbeit zur Selbstverständlichkeit".
Eine europäische Perspektive: Über Grenzen hinauswachsen
Als das Publikum Fragen stellte, drehte sich das Thema schnell um die Skalierung. Könnte das Schweizer Modell in ganz Europa funktionieren?
Amin Amini verglich die Situation vor Ort mit der in Deutschland. Die Schweiz, so stellte er fest, sei zwar kleiner, aber flexibler; dank der neuen Verordnung stelle sie nicht mehr die Frage, ob autonome Mobilität möglich sei, sondern wie und wann.
Stefanie Berliner fügte hinzu, dass es bei der Skalierung nicht darum geht, endlose kleine Pilotprojekte durchzuführen, sondern darum, sich auf einige wenige starke Projekte zu konzentrieren, die eine sichere und effektive Integration demonstrieren. Die eigentliche Herausforderung sei die Konsistenz: Es müsse sichergestellt werden, dass nicht jeder Kanton und jedes Land das Rad neu erfinden müsse.
Abschließend erinnerte Marc Châtelain daran, dass Inklusion eine Priorität bleiben muss. Die Skalierung sollte die Mobilität zugänglicher machen, nicht weniger. "Wir müssen sicherstellen, dass jeder diese Dienste nutzen kann", merkte er an, "sonst laufen wir Gefahr, neue Mobilitätslücken zu schaffen".
Schlussfolgerung: Ein gemeinsames Engagement für den Fortschritt
Zum Abschluss der Sitzung reflektierte Oliver Nahon über das, was das schweizerische Mobilitätsökosystem so besonders macht: eine einzigartige Mischung aus Vertrauen, Pragmatismus und offenem Dialog.
Er erinnerte die Zuhörer daran, diese Kultur der Zusammenarbeit nicht als selbstverständlich anzusehen. "Die Möglichkeiten, die wir hier haben, sind selten", sagte er. "Lassen Sie uns diesen Geist gemeinsam weiter ausbauen.
Die Botschaft war einfach, aber eindringlich: Die Zukunft der autonomen Mobilität in der Schweiz wird nicht von einem Akteur allein gestaltet werden. Sie wird das Ergebnis vieler sein: öffentlicher, privater und akademischer Akteure, die an einem Strang ziehen.
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